Individuelle Gesundheitsleistungen: Erst informieren, dann buchen

Ärzte bieten häufig Untersuchungen oder Therapien an, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Diese Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen Patienten meist selbst zahlen.

Deshalb sollten sie sich genau informieren, ob Zusatzangebote wirklich notwendig sind. Oft stehen Patienten den medizinischen Leistungen ratlos gegenüber. Angeboten werden zum größten Teil Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung oder Therapie von Krankheiten. Dazu gehören etwa die Bachblütentherapie, Reiseschutzimpfungen, Akupunktur, die Biofeedback-Therapie oder eine Ozon-Therapie. Diese Leistungen reichen über das gesetzlich festgelegte Maß einer ausreichenden und notwendigen medizinischen Versorgung hinaus. Nach Ansicht von Krankenkassen und Ärztevertretern ist ihr medizinischer Nutzen oft nicht oder noch nicht ausreichend wissenschaftlich erwiesen.

Einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen zufolge wurde innerhalb eines Jahres knapp einem Drittel der Versicherten von niedergelassenen Ärzten eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten oder in Rechnung gestellt.

Bevor Sie einer IGeL-Maßnahme zustimmen, muss Ihr Arzt Sie ausführlich über die Behandlung informieren und aufklären: Warum er die IGeL in Ihrem Fall für notwendig und die Kassenleistung für nicht ausreichend hält.

Welche Vor- und Nachteile die IGeL hat und wie gut diese nachgewiesen sind.

Bei IGeL besteht in der Regel kein Grund für eine sofortige Behandlung. Holen Sie im Zweifel noch Rat bei einem anderen Arzt ein.

Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, ob die Kosten für die IGeL aufgrund des Befundes eventuell doch von der Kasse getragen werden. Zum Beispiel, weil Verdacht auf eine konkrete Erkrankung besteht.

Ärzte sind hier nicht an die einfachen Sätze der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gebunden. Der Arzt muss Ihnen vorab schriftlich die voraussichtlichen Kosten mitteilen. Dabei muss der Betrag konkret beziffert werden.

Vor Behandlungsbeginn muss der Arzt mit Ihnen schriftlich einen Vertrag abschließen. Es müssen die medizinischen Einzelleistungen, die Gesamtkosten nach der GOÄ, Ihre Zustimmung und der Hinweis darin enthalten sein, dass Sie diese Leistung selbst zahlen müssen. Hält der Arzt sich nicht daran, darf er später keine Kosten vom Patienten einfordern.

In Zweifelfällen sollten sich Versicherte an ihre Krankenkasse wenden. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen hat zudem einen IGeL-Monitor eingerichtet, der die häufigsten IGeL unter die Lupe nimmt. Auch die unabhängige Patientenberatung und die Patientenbeauftragte helfen weiter.