Wunsch nach höheren Strafen wächst

Die Bereitschaft, Straftaten härter zu bestrafen, nimmt seit Jahren zu.

Und das, obwohl sowohl die Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, alsauch die Kriminalität insgesamt zurückgehen. Das sind Ergebnisse aus einer Langzeitstudie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg(FAU).

Für die Langzeitstudie wurden zwischen 1989 und 2012 rund 3100 Jurastudierende befragt, die gerade mit ihrem Studium begonnen hatten. Ziel war es, herauszufinden, wie die jungen Frauen und Männer die allgemeine Kriminalitätslage bewerten, inwieweit sie sich bedroht fühlen und wie hart sie bestrafen würden. Diese Daten verglichen die Forscher zusätzlich mit der offiziellen Kriminalitätsstatistik.

Es stellte sich heraus, dass das allgemeine Bedrohungsgefühl durch Kriminalität kurz nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung erheblich anstieg und danach wieder zurückging. Das Risiko, selbst Opfer eines körperlichen Angriffs zu werden, schätzten die Befragten im Lauf der Jahre zunehmend geringer ein – aktuell ist diese Angst nur noch schwach ausgeprägt. Im gleichen Zeitraum veränderte sich bei den Befragten jedoch die Einstellung darüber, wie hart bestraft werden sollte: Die Studierenden der nachfolgenden Jahrgänge würden bei gleichen Delikten mittlerweile höhere Strafen verhängen als noch zu Beginn der Studie – und das, obwohl sie sich eigentlich sicherer fühlen.