Zinssenkung untergräbt Sparanstrengungen

Als verfehlt und unangemessen kritisiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), zur Ankurbelung der Wirtschaft in der Euro-Zone erneut die Zinsen zu senken.

„Der Schritt der EZB markiert eine neue Eskalationsstufe. Mit der Maßnahme wird das erschreckend niedrige Zinsniveau weiter verfestigt, zu Lasten der Vorsorgesparer in Deutschland“, sagte GDV-Präsident Alexander Erdland. „Ihre Sparanstrengungen werden durch die EZB untergraben. Deshalb sind wir in Sorge.“

Der EZB-Rat hat auf seiner heutigen Sitzung beschlossen, den Leitzins von 0,25 auf das Rekordtief von 0,15 Prozent abzusenken. Gleichzeitig nahmen die Notenbanker den Einlagenzins auf minus 0,1 Prozent herunter. Banken müssen künftig einen Strafzins bezahlen, wenn sie Geld bei der Zentralbank parken. Die Währungshüter beschlossen zudem ein Kreditprogramm für Banken im Volumen von bis zu 400 Milliarden Euro. Die EZB verspricht sich von den Maßnahmen eine stärkere Kreditvergabe und in der Folge eine Ankurbelung der Wirtschaft, vor allem in den wachstumsschwachen Peripherie-Ländern der Euro-Zone.

Aus Sicht der Versicherungswirtschaft bestehen jedoch große Zweifel am Nutzen der Zinssenkung. Die verschiedenen zinssenkenden Maßnahmen der EZB haben bislang nicht zu dem erhofften positiven Effekt auf die Kreditvergabe geführt. Gleiches ist auch jetzt zu erwarten. „Ökonomisch ist die Maßnahme genau das falsche Rezept. Denn die niedrigen Zinsen lösen kaum noch Wachstumsimpulse aus“, sagte Erdland. Wichtiger sei die Fortsetzung der Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Nur so finde Europa auf den Wachstumspfad zurück. „Die Politik des billigen Geldes wird zum Irrweg“, betonte Erdland.